Mädchen der Nacht



Das Mädchen, gerade mal sechszehn Jahre alt, wandert alleine durch die Nacht. Sie hat schon lange kein Tageslicht mehr gesehen. Tagsüber verkriecht sie sich in ihrem Zimmer, Jalousin herunter gezogen, dunkle Musik im Hintergrund und bei Kerzenlicht. Zu dieser Zeit verbirgt sie ihr Gesicht vor der Welt draußen und wandelt auf den dunklen Pfaden ihrer Seele. Doch kaum sind die letzten Strahlen der Sonne verblasst, kaum überzieht die Dunkelheit das Land kommt sie aus ihrem Versteck hervor. Ein schwarzes Kleid bedeckt ihren Körper und ihr schwarzes Haar fällt ihr wallend über die Schultern. Auf dem Weg in die Stadt, zündet sie sich eine Zigarette an. Atmet tief durch und genießt die frische Nachtluft. Läuft weiter, es sind nur noch wenige Kilometer bis zur Stadt... manchmal wendet sie sich auch der anderen Richtung entgegen und betritt den Wald um in der Einsamkeit einen Teil von sich selbst zu finden und traurige Melodien zu singen. Doch meistens tragen ihre Füße sie doch in Richtung Stadt... Ein Kilometer bevor sie ihr Viertel erreicht, biegt sie bei einer Tankstelle ab und kauft sich einen großen Becher schwarzen Kaffee. Ihr Hände zittern und ihr Körper ist nur noch ein Schatten. Zittern umschlingt sie den Becher, setzt sich auf einen Hügel in der Nähe, rauchend. Kurze Zeit später, erreicht ihr Freund sie, ein Nachtmensch wie sie. Zusammen rauchen sie das mitgebrachte Marihuana. Sie merkt wie sie leichter wird, wie sie anfängt der Welt zu entgleiten und sie merkt wie geborgen und warm die Nacht sie umfängt. Die vorherige Kälte ist wie weggeblasen. Sie laufen weiter. Hinein in eine Diskothek. Irgenjemand drückt ihr eine kleine blaue Pille in die Hand, ohne länger darüber nachzudenken, schluckt sie sie. Ihr Herz fängt an zu rasen und immer hektischer fängt sie an sich zu den Klängen der Musik zu bewegen. Kurz bevor sie zusammenbricht, merkt sie den warmen Händedruck einer bekannten Hand. Ohne zu wissen, wieso folgt sie dieser Hand in ein dunkles Hinterzimmer. Willenlos fällt sie auf ein Bett, längst weiß sie nicht mehr wie sie hierher gelangt ist. Sie merkt wie sie ausgezogen wird. Sie weiß, dass jemand mit ihr schlafen wird, es ist ihr egal. Kurz nachdem es vorbei ist, zieht sie sich wieder an. Sie bemerkt, dass ihr Freund neben ihr liegt, also doch keiner der Fremden, die auch schon so oft über ihr waren. Sie seufzt und zündet sich eine Zigarette an. Sie weiß, dass die Nacht sich langsam dem Ende zuneigt. Seufzend küsst sie den Jungen der vor ihr liegt, wie egal er ihr doch eigentlich ist...Und läuft der Dämmerung entgegen. Sie weiß, sie wird noch vor Tagesanbruch in ihrem Zimmer sein, in ihrem Heiligtum und versuchen nicht über dieses Leben nachzudenken, welches sie führt. Die Nacht ist ihr Freund, sie umfängt sie wie eine Geliebte und sie fühlt sich geborgen.

27. September 2006


Das Gefängnis des schwarzen Engels



Seitdem es die Menschheit gibt, besitzen die Menschen auch ein innerliches Gefägnis... Sie strampeln wild durchs Leben, setzten einen Fuß vor den anderen, manchmal weichen sie ein oder mehrere Schritte zurück, dann rennen sie wieder nach vorne. Zeitweise zerstören sie dabei einige Dinge die ihnen wichtig sind und sie bereuen ihre Taten, doch letztendlich versuchen sie dabei doch nur, aus einem inneren Gefägnis auszubrechen.
Das Gefägnis des schwarzen Engels ist sehr strak gesichert. Es ist ein riesiges Schloss, mit vielen Kammern, Räumen und Erkern. Niemand kennt sich dort drinnen aus, auch der schwarze Engel, der selbst darin wohnt hat den Überblick über die vielen Räume verloren. Zu viele Zimmer gibt es, zu viele sind noch verschlossen und manche öffnen sich manchmal wie von selbst, doch selbst wenn sie dann geöffnet sind, dauert es wieder seine Zeit, bis der Engel dazu kommt, das Zimmer zu inspirieren. Manchmal gibt es einfach zu viele offen stehende Türen und manchmal sucht dieser Engel auch einfach nur Zuflucht in alten Räumen um Geborgenheit zu finden. Manche Räume dieses Schlosses, hat der Engel schon lieben Menschen gezeigt, dabei hat er jedoch immer die Tür von innen abgeschlossen und bei einem Raumwechsel, werden den Besuchern regelmäßig die Augen verbunden. Um überhaupt in das Schloss zu gelangen sind eine Reihe von Prüfungen von Nöten. Manche schaffen diese Anfangshürden geradezu meisterhaft, doch nur den wenigsten gelingt dies. Die meisten mühen und plagen sich ab und kommen doch nur in die Vorzimmer, die sowieso fast jeder betreten kann. Selten hat ein Besucher den Mut, dem schwarzen, angsteinflössenden Engel zu folgen und in die tieferen Verließe des Schlosses zu dringen. Manchmal schreckt der Engel allerdings auch davor zurück und verkriecht sich im Zimmer der Angst.
Dieser Engel, so groß die Vielfalt seines Schlosses auch ist, so viel er auch besitzt, letztendlich ist dieser Engel doch sehr einsam und ängstlich, doch er weiß auch, dass sich niemals jemand weiter in sein ach so dunkles Schloss wagen wird. Zu dunkel sind die Wege, die die Besucher beschreiten müssen...

30. September 2006